Barfuß am Pool
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Freiheit den Füßen

Ich finde ja, kein Schuh – und sei die Sohle noch so dünn – kommt an das Laufgefühl vom Barfußgehen heran. Es ist immer ein wenig anders. Aber Barfußsandalen kommen schon nah dran. Ganz ohne Sohle ist das Barfußgehen – vor allem in der Stadt – eh nicht so schön.

Wer schon mal versucht hat, auf hartem Asphalt oder auf Waldboden samt Steinchen und Baumnadeln barfuß zu gehen, der weiß: Es piekt und drückt von unten. Und das Barfußlaufen an sich ist auch erst mal ganz komisch. Meist fällt man mehr in seine Schritte, weil der Ballen so daran gewöhnt ist, auf einem Absatz aufzukommen.

Barfußschuhe sind daher eine gute Alternative, denn sie bieten zumindest ein Minimum an Sohle. Und Barfußsandalen sind noch besser. Fast wie barfuß gehen. Hier spürt man, wie die Luft um die Zehen wedelt, und die Füße sind nicht so eingepackt. Der Boden unter den Füßen hat plötzlich unzählige Formen, verschiedene Härtegrade und leichte Schieflagen.

Eine andere Art zu gehen

Auch in Barfußsandalen ist das Gehen anders. Als ich zum ersten Mal während einer Wanderung Barfußsandalen trug, war das noch sehr ungewohnt. Ich musste erst einmal eine geeignete Gangart finden, um flüssig zu gehen. Der typische Fersengang funktioniert irgendwie nicht. Ich experimentierte zuerst mit der Schrittlänge und dem Tempo. Der Clou ist aber letztendlich, wie man den Fuß auf den Boden aufsetzt. Am besten ging es bei mir, indem ich zuerst mit der vorderen Außenkante des Fußes aufsetzte.

Am nächsten Tag hatte ich dann richtig gut Muskelkater in den Waden! Der Fuß bzw. der Unterschenkel bekommt also richtig was zu tun.

Je nach Sandale kann sich das Gehen immer ein wenig anders gestalten. Generell gilt: umso flacher und dünner die Sohle, desto intensiver das Laufgefühl. Wer das mal spüren möchte, sollte sich ein paar Barfußsandalen anschaffen. Ich habe in der letzten Zeit folgende Modelle ausprobiert:

Luna-Sandalen (Luna Mono)

Die Lunas sehen etwas wie Flipflops aus. Nach vorne hin breiter werdende Entenfüße sind also nicht zu befürchten. Doch leider sind die Lunas ohne das zusätzliche (optionale) Klettband, das die Sandale noch an den Fesseln festmacht, nicht wirklich für langes Laufen geeignet – bei mir zumindest. Das Problem: Ich rutsche ohne das Extraband mit dem Fuß etwas zu weit vor, so dass das Fersenband hinten immer wieder runterrutscht. Ich trage sie trotzdem gerne – auf Wanderungen aber nur mit dem stabilisierenden Klettband.

Luna Mono Sandale
Luna Mono Sandale

Chalas (Chala Evo Vegan mit gelbem Streifen in der Sohle)

Ziemlich ähnlich sind die Chalas, die in Deutschland gefertigt werden. Der Unterschied zu den Lunas ist hier vor allem, dass das Querband über dem Fußrücken zur Innenseite des Fußes läuft, während es bei den Lunas außen herum läuft. Das macht die ganze Sache anders. Bei mir funktioniert das besser: Das Fersenband rutscht nicht. Die Schuhe sehen allerdings nicht ganz so fesch aus. Sie sind etwas breiter und der Verlauf des senkrechten Bandes ist zwar praktisch, aber etwas asymmetrisch.

Huaraches – einfache Sohle mit Bändern

Dann hatte ich mir noch ganz minimale Sandalen geholt (auch von Chala), bei denen einfach eine Sohle aus Wildleder auf ein 5 mm dickes Gummistück in Fußform geklebt ist (optional gibt es auch noch dünnere Unterlagen). Das Ganze wird mit einem komplizierten Fadenführungs-System am Fuß festmacht.

Die Form der minimalen Barfußsandalen, die es von verschiedenen Firmen gibt, stammt wohl von den Tarahumara-Indianern. Ihre typischen „Huarache“-Sandalen bestehen aus einer einfachen Sohle, die mittels Bändern am Fuß festgemacht wird. Da die Tarahumara zu den besten Läufern der Welt gehören, wollten wohl ein paar Leute mehr über ihr Schuhwerk erfahren …

Durch die vielen Querfäden ist der Halt richtig gut, WENN man erst einmal eine gute grundlegende Spannung der einzelnen Segmente ausgetüftelt hat. Dafür muss man an verschiedenen Stellen immer wieder nachziehen oder lockern. Die Sohle ist ziemlich breit und die vielen Schnüre betonen den Fuß und machen ihn größer. Ich habe mir letztendlich die Sohle um einiges schmaler geschnitten – und jetzt sehen sie besser aus. Man muss das Band aber fast vor jedem Gehen wieder neu zurechtziehen.

Huaraches
Huaraches

Noch dünnere Sohlen, wieder anderes Gehgefühl

Das Laufen ist hier auch wieder anders. Man muss etwas “üben”, bis man locker läuft. Bergauf komme ich mit diesen Huaraches nicht ganz flüssig, da ich die Bänder nicht so festgezurrt mag und das Wildleder unter dem Fuß leicht rutscht. Es gibt aber noch viele weitere Schnürsysteme und andere Sohlenarten. Hier ist wieder Ausprobieren angesagt.

Barfuß-Ballerinas

Zu guter Letzt hab ich noch einen besonderen Fund: Iguaneye aus Portugal aus synthetischem Kautschuk. Sie sehen sehr süß aus – wie Ballerinas mit einer kleinen futuristischen Ecke vorne. Es gibt genügend Öffnungen für die Luftzirkulation. Die Zehentrennung muss man hier mögen, denn sie geht zwischen großem und zweiten Zeh ganz bis oben durch. Mir scheint, dass hierdurch das Ballengelenk etwas gefordert wird (bestimmt gut gegen Hallux Valgus). Durch die etwas dickere Korksohle, die einfach eingelegt wird, ist der Fuß recht gut gedämpft. Kleiner Nachteil: Fahrrad fahren ist mit den Schuhen ausgeschlossen. Sie rutschen auf der Pedale sofort von der Ferse.

Iguaneye Barfuß Ballerinas
Iguaneye Barfuß-Ballerina

Fazit

Barfußsandalen sind eine spannende Sache und machen Spaß. Routinen beim Gehen werden dir bewusster. Und die Füße bekommen ganz neue Anreize – Massageeffekt inklusive. Allerdings ist barfuß immer noch die schönste Alternative. Lauf deshalb immer wieder mal ganz ohne Schuhwerk – auch wenn’s nur zu Hause ist!

Weitere Infos und Links

Luna Sandalen Webseite (engl.)

https://chala.de/chala-evo/

Chala Sandalen

Chala Sandalen

https://www.iguaneye.de/

Es gibt Athleten, die etliche Kilometer mit Huaraches laufen und ausführlich testen, so z.B.
http://laufnase.de/blog/laufsandalen-meine-erfahrungen-nach-150-kilometern/

Hier noch ein paar richtig hübsche, farbige Huaraches:
https://www.nakedshoes.de/

Eine coole Anleitung zum Selbermachen von Huaraches:
https://www.vivolavita.de/?p=3480

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